Eine alte Legende besagt, dass ein menschenfressendes Monster jährlich aus den Bergen (oder, je nach Quelle, aus dem Meer) kam, um seinen Hunger nach dem Tiefschlaf zu stillen. Um sich vor dem „Jahresmonster“ (年獸 / 年兽, Niánshòu) zu schützen, machten die Menschen Lärm und Feuer und färbten alles rot, da das Monster angeblich sensibel auf die Farbe Rot und Lärm reagieren würde. Die Vertreibung des Monsters wird „Guònián“ genannt, Gehen des „Nian- oder Jahresmonsters“ (過年 / 过年), womit das Gehen des alten Jahres gemeint ist, also das Neujahrsfest.
Beim lesen kam mir folgender Gedanke:
Berge und das Meer haben beide eines gemeinsam: Sie können Quellen für Flutereignisse sein z.B. nach massiven Regenfällen (chinesische Lösswüsten im Bereich des gelben Flusses?) oder Tiefbeben (Tsunamis). Hohe Flutwellen im Bereich von Buchten entstehen mitunter auch schlicht aus fatalen Küstenverläufen heraus wenn diese eine Kanalisierung des Wassers begünstigen. Beispiele hierfür sind Kerbtäler (skandinavische Fjörde) oder auch tief eingeschnittene Flussmündungen in Karstgebieten (Kroatien). Interessant ist weiter, das alle genannten Morphologien im Verlauf des gelben Flusses (Yangtse) vorkommen und jahreszeitlich bedingte Überflutungsereignisse innerhalb seines Einzugsgebietes auch keine Seltenheit darstellten - Rot steht darüber hinaus als Farbe, glaub ich, in der chinesischen Tradition auch für Feuer und da Feuer ja Wasser zum verdampfen bringt kann hierdurch die Unverträglichkeit des Jahresmonsters gegenüber dieser Farbe erklärt werden.
Demnach wäre der chinesische Silvesterbrauch insgesamt als ursprünglich ritueller Versuch deutbar, periodische Überflutungsereignisse durch Feuer (später dann Feuerwerk) in Kombination mit Lärm (um das Monster zu erschrecken?!??) zu bannen.
-Dain.

