"Schattenarbeit"

Rituale, Meditation & Co

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"Schattenarbeit"

Beitragvon CelticCrow am Fr 7. Mai 2010, 12:45

Folgendes habe ich in einem anderen Forum auf das Problem "Angst vor Ritualen" einer jungen Userin verfasst und ich denke, dass es auch hier durchaus nützlich und m. E. nötig ist, auf die Thematik näher einzugehen.

Es gibt ja immer wieder, nicht nur bei Neulingen im Bereich der Magick, die Problemstellung, dass man sich beim zelebrieren von Ritualen unwohl oder unsicher fühlt.
Hinzu kommt, dass ich über die Jahre hinweg immer wieder damit konfrontiert wurde, dass Leute einfach so ins kalte Wasser sprangen, oder mit einer gewissen Erwartungshaltung oder in einem Zustand an die Magick herangingen, wo bei mir teilweise wirklich äußerst unbehaglich wurde und ich am liebsten geschrien hätte, "Lass die Finger davon!"

Allerdings denke ich mir, man kann ja nicht jedem "Neuling" schlicht von der Magick abraten, nur weil etwas passieren könnte. Woher soll denn sonst der Nachwuchs kommen?
Außerdem habe ich auch irgendwann einfach mal gemacht (auch wenn da vorher schon ein Entwicklungsprozess stattgefunden hat.) Finger verbrannt habe ich mir auch einmal...und ich denke, das gehört irgendwie auch dazu. Man lernt eben am besten aus seinen Fehlern. ;)
Nichtsdestotrotz sollte man den Grad, in dem man unter den Fehlern leidet, doch in Grenzen halten. Darum dieser Thread.

Zum Thema Angst vor Ritualen:

Angst, Unsicherheit und gesunder Respekt sind, meiner Meinung nach, drei Paar Schuhe.

Unsicherheit ist zu Anfang vollkommen normal. Dagegen hilft nur üben, üben, üben und, die Rituale, ob nun klassisch/oldschooled oder selbst kreiert so einfach wie möglich zu halten. (und ein Notenständer *g*).

Es bricht ja auch nicht gleich die Welt auseinander, wenn man sich mal verhaspelt, es kommt imo weniger auf die (fehlerfreien) Worte als auf den Absicht, die dahinter steckt.

Respekt sollte man immer haben, wenn man ein Ritual macht, weil wann eben immer eine Veränderung bewirkt, die innen wie außen wirkt. Man fummelt also einerseits im Universum herum, andererseits, und das ist noch wichtiger, auch in seiner Psyche. (wie innen so außen, wie oben so unten)

Angst ist aber was ganz anderes!
Hat man Angst vor Ritualen im allgemeinen, oder vor einem speziell, würde ich raten, davon erst einmal die Finger zu lassen.
Sie ist immer ein Zeichen dafür, dass da noch eine tief sitzende Baustelle abzuarbeiten ist. Da ist irgendwo im Unterbewusstsein noch eine Sperre, die sich dagegen sträubt, das Ritual durchzuführen. Und die muss man erst einmal für sich selber finden und auflösen.
Andererseits kann man sich nämlich selbst nicht unerheblichen Schaden zufügen, wenn der Kopf zwar sagt, "Ich will das jetzt aber machen!", aber die Psyche sich eben (noch) dagegen sträubt.

Das kann sich dann nur in einem schlechten Gewissen oder Gefühl äußern, aber auch zu Albträumen und echten psychologischen Problemen führen, wenn man es trotzdem macht.

Es zeichnet ja das Unterbewusstsein aus, dass es eben ein sehr freies Eigenleben hat und man darauf nicht ohne weiteres zugreifen kann.

Hier komme ich zum Topic, der sogenannten Schattenarbeit.

Bevor man überhaupt an Rituale herangeht, zumindest aber, wenn man merkt, dass einem dabei nicht wohl ist, sollte man deshalb m. E. erst einmal herausfinden, warum das so ist und an sich selbst arbeiten. Eben die berühmte Schattenarbeit, die im Grunde nicht anderes ist, als beinharte Selbstanalyse.
Sonst stolpert man nämlich früher oder später über seine "wunden Punkte" und das tut man mit Sicherheit, ob man nun vorher schon Probleme hat oder eben nicht, und das kann, wie beschrieben, äußerst unangenehm werden.

Ich denke deshalb, wir sollten hier einmal im Folgenden generell über dieses Thema diskutieren und so Strategien und Herangehensweisen erörtern, wie man an seine Schatten ( im Jungschen Kontext) herangeht und was man dabei beachten sollte. :)
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Re: "Schattenarbeit"

Beitragvon wasserschildkroete am So 9. Mai 2010, 07:52

Bevor man überhaupt an Rituale herangeht, zumindest aber, wenn man merkt, dass einem dabei nicht wohl ist, sollte man deshalb m. E. erst einmal herausfinden, warum das so ist und an sich selbst arbeiten. Eben die berühmte Schattenarbeit, die im Grunde nicht anderes ist, als beinharte Selbstanalyse.
Sonst stolpert man nämlich früher oder später über seine "wunden Punkte" und das tut man mit Sicherheit, ob man nun vorher schon Probleme hat oder eben nicht, und das kann, wie beschrieben, äußerst unangenehm werden.


Hmm... also ich würde da bei der "Zweckgerichteten" Selbstanalyse anfangen und mit der Frage beginnen, was man eigentlich mit dem Ritual erreichen möchte.
Ich könnte mir in dem Zusammenhang nämlich sehr gut vorstellen, dass einige das Ritualwesen erstmal ausprobieren möchten um zu sehen, was dabei herauskommt, bzw. ob es "funktioniert". Bei diesen Punken fangen dann wahrscheinlich die Befangenheiten an, da der Grund für das ausgewählte Ritual nicht mit dem eigentlichen Zweck desselben übereinstimmt.
In diesem Fall wäre der "behindernde Schatten" der leise Zweifel an dem eigenen Tun.

Meiner Ansicht nach ist es besser den Zeitpunkt abzuwarten, zu dem man selbst bereit ist, ein Ritual zu nutzen um etwas Bestimmtes zu erreichen.

Allerdings bin ich selbst auch noch nicht wirklich erfahren auf diesem Gebiet und es wäre schön, zu lesen, wie andere mit der Schattenarbeit umgehen.

Viele Grüße,

wasserschildkroete
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Re: "Schattenarbeit"

Beitragvon gwydion am Mi 12. Mai 2010, 16:18

wasserschildkroete hat geschrieben:Meiner Ansicht nach ist es besser den Zeitpunkt abzuwarten, zu dem man selbst bereit ist, ein Ritual zu nutzen um etwas Bestimmtes zu erreichen.

Allerdings bin ich selbst auch noch nicht wirklich erfahren auf diesem Gebiet und es wäre schön, zu lesen, wie andere mit der Schattenarbeit umgehen.

Viele Grüße,

wasserschildkroete



Hallo wasserschildkroete,


Das Problem beim Thema "den Zeitpunkt abwarten zu dem man selbst bereit ist", ist der, dass dann
das Unterbewusstsein einem ein Bein stellt. Die Stimme in deinem Kopf die sagt, dass du nicht bereit bist,
verstummt nicht einfach so, und so kann es sein, dass du nie "bereit" bist.


Für mich stecken hier zwei sehr vielfältige Themen in einem einzigen Thread. Das Thema, "wann Rituale
durchführen?" und das Thema "Schattenarbeit". Ich versuch jetzt einfach mal beides in einem zu beantworten:

"wann Rituale durchführen?" - in meinen AUgen dann, wenn alle anderen Mittel erschöpft sind und die
Wege der alltäglichen Welt erschöpft sind oder die Kraft der alltäglichen Welt nicht ausreichend ist. Dann ist
in meinen Augen ein Ritual durchaus sinnvoll und angebracht. Bevor ich es jedoch durchführe stelle ich mir
die folgenden Fragen:
- Was ist der Zweck dieses Rituals?
- Ist es meine Aufgabe, mein Recht, meine Pflicht dieses Ritual durchzuführen?
- Was bewirkt dieses Ritual?
- Wem dient dieses Ritual?
- Geht es doch anders?
- Was sind die Konsequenzen dieses Rituals?
- Wie sieht der Ausgleich für dieses Ritual aus?
- uvm.

Habe ich mich davon überzeugt dass alle Fragen (es sollten dann mindestens 3mal so viele sein...) mit einem
klaren "Ja" beantwortet sind und ich mit gutem Gewissen bereit bin das Ritual durchzuführen, dann heißt es
sich eisern an einem Grundsatz fest zu klammern:
"Bescheidenheit und Demut"
Sobald das Ego in das Ritual mit reinpfuscht und glaubt, es weiß besser wie es geht, oder dass es größer, besser,
besonderer, sein müsste, kannst es gleich lassen. Während einem Ritual hat das Ego die Klappe zu halten.

Um einige von den Fragen oben zu beantworten und aus dem Weg zu räumen dient mir die Schattenarbeit.
Ich habe sie aus der schamanischen Sicht kennengelernt und für mich heißt Schattenarbeit, Probleme, Ängste,
- kurz: unterbewusste Fähigkeiten, die ein Eigenleben haben - und mir nun durch mein unterbewusstes Steine in
den Weg legen, zu erkennen, zu benennen und ins Bewusstsein zu führen, wo sie dann zu einer bewussten
Fähigkeit werden.

Beispielsweise kann die Angst vor einem Ritual nach genauer Betrachtung möglicherweise gerade in die Aspekte
Bescheidenheit und Demut gewandelt werden. So wird aus einer unterbewussten Angst die bewusste Fähigkeit das
Ritual und seine Zusammenhänge im richtigen Maß zu respektieren und zu würdigen.



Grüße
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Re: "Schattenarbeit"

Beitragvon wasserschildkroete am Do 13. Mai 2010, 09:30

gwydion hat geschrieben:Das Problem beim Thema "den Zeitpunkt abwarten zu dem man selbst bereit ist", ist der, dass dann
das Unterbewusstsein einem ein Bein stellt. Die Stimme in deinem Kopf die sagt, dass du nicht bereit bist,
verstummt nicht einfach so, und so kann es sein, dass du nie "bereit" bist.


Hallo Gwydoin,

Mein Satz war wahrscheinlich etwas missverständlich formuliert. Den letzten Teil kann man leicht beim Lesen "verschlucken".
den Zeitpunkt abzuwarten, zu dem man selbst bereit ist, ein Ritual zu nutzen um etwas Bestimmtes zu erreichen

Mit diesem letzten Part meinte ich eben auch was ganz ähnliches, wie du selbst:
gwydion hat geschrieben:"wann Rituale durchführen?" - in meinen AUgen dann, wenn alle anderen Mittel erschöpft sind und die
Wege der alltäglichen Welt erschöpft sind oder die Kraft der alltäglichen Welt nicht ausreichend ist.


Mir ging es darum, dass das, was man erreichen möchte im Vordergrund steht und nicht das Ritual selbst.
Dabei ist es auch wichtig, dass man die geläufigeren Wege zuerst ausprobiert hat -> das Ritual also als letzter Ausweg anzusehen ist. Wenn dieser Zeitpunkt erreicht ist und das Ziel wichtig genug ist, dann zweifelt man meiner Meinung (Erfahrung) nach nicht mehr (oder zumindest nicht mehr so stark). Deswegen denke ich auch, dass der Zeitpunkt bei der Schattenarbeit selbst eine wichtige Rolle spielt.
Und ich meine nicht, den Zeitpunkt, zu dem man sich irgendwie bereit fühlt, sondern den Zeitpunkt, zu dem man bereit ist, ein Ritual zu nutzen um sein Ziel zu erreichen.

Deine Fragen, die man stellen sollte, ehe ein Ritual genutzt wird, finde ich übrigens sehr gut.


Grüße,
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Re: "Schattenarbeit"

Beitragvon gwydion am Do 13. Mai 2010, 18:59

wasserschildkroete hat geschrieben:Und ich meine nicht, den Zeitpunkt, zu dem man sich irgendwie bereit fühlt, sondern den Zeitpunkt, zu dem man bereit ist, ein Ritual zu nutzen um sein Ziel zu erreichen.


wie unterscheidest du "sich bereit fühlen" und "bereit sein" ?


Grüße
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